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Fachwissen Baubetrieb

Qualitäts­management im Detail

Qualität im Bauprozess und Toleranzen im Hochbau nach DIN 18202: Toleranzarten, Prüfung von Maßabweichungen und Planung von Toleranzen.

1Qualität im Bauprozess

Qualität am Bau heißt, die vertraglich und technisch geforderten Eigenschaften wirtschaftlich zu erreichen. Das gelingt, wenn Qualität geplant, gelenkt, gesichert und verbessert wird und Prüfungen in den Bauablauf eingebunden sind, statt erst bei der Abnahme Mängel zu suchen. Die Maßhaltigkeit ist dabei ein zentraler, messbarer Teil der Qualität.

  1. Qualitätsplanung

    Anforderungen festlegen: Was ist gefordert, wo gilt es, woran wird es gemessen?
  2. Qualitätslenkung

    Abläufe und Verantwortlichkeiten so gestalten, dass die Anforderungen erreicht werden.
  3. Qualitätssicherung

    Prüfen nach Prüfplan: Was, wo, mit welchem Prüfmittel, wie oft und durch wen.
  4. Qualitätsverbesserung

    Prüfergebnisse auswerten und die Erkenntnisse in Standards und Folgeprojekte übertragen.

2Toleranzen im Hochbau nach DIN 18202

Kein Bauteil entsteht exakt nach Plan. Ungenauigkeiten beim Messen, Fertigen und Montieren sind unvermeidlich. DIN 18202 legt fest, welche Abweichungen von Größe, Gestalt und Lage im Hochbau zulässig sind, damit Bauteile des Roh- und Ausbaus ohne Anpass- und Nacharbeiten zusammenpassen. Die Toleranzen gelten baustoffunabhängig für Bauwerke und Bauteile und beschreiben die Genauigkeit, die bei üblicher Sorgfalt erreichbar ist.

Nicht erfasst sind zeit- und lastabhängige Verformungen, auch aus Temperatur, sowie Höhenversätze zwischen benachbarten Bauteilen. Bauteil- und Ausführungsnormen, etwa für Tragwerke aus Beton, verweisen für die Maßhaltigkeit auf DIN 18202, sofern nichts anderes festgelegt ist.

NennmaßIstmaßMindestmaßHöchstmaßMaßtoleranzMaßabweichung
Abb. 1 Begriffe an einem Bauteil: Das Istmaß muss zwischen Mindest- und Höchstmaß liegen.Darstellung: rheonda, schematisch
äußerer Hüllkörper(Höchstmaß)Nennmaß, Nennlageinnerer Hüllkörper(Mindestmaß)Ist-Oberfläche
Abb. 2 Boxprinzip: Jeder Punkt der Bauteiloberfläche liegt zwischen innerem und äußerem Hüllkörper.Darstellung: rheonda, schematisch

Boxprinzip. Für alle Toleranzen der Norm gilt das Boxprinzip: Die Bauteiloberfläche darf an keiner Stelle den äußeren oder inneren Hüllkörper aus Nennmaß und zulässigen Abweichungen durchstoßen. Die Anforderungen an Maße, Winkel, Ebenheit und Flucht sind jede für sich einzuhalten; sie werden nicht addiert.

Form und Lage. Die Norm unterscheidet Anforderungen an die Form eines Bauteils, also Maße, Winkel und ebene Flächen, von Anforderungen an seine Lage im Raum, also Abstände zu Achsen und Höhenkoten, Winkel zur Lotrechten oder Waagerechten und Fluchten. Beides wird getrennt geprüft.

3Die Toleranzarten der Norm

DIN 18202 legt vier Arten von Toleranzen fest. Welche gilt, hängt davon ab, was geprüft wird: ein Maß, ein Winkel, eine Fläche oder eine Stützenreihe. Die Grenzwerte sind in den Tabellen der Norm nach Nennmaß oder Messpunktabstand gestaffelt.

  • DIN 18202, Tabelle 1

    Grenzabweichungen für Maße

    Begrenzen, wie weit ein Istmaß vom Nennmaß abweichen darf. Die Grenzwerte sind nach der Größe des Nennmaßes gestaffelt und unterscheiden Maße im Grundriss und im Aufriss, lichte Maße sowie Öffnungen, bei Öffnungen auch mit oberflächenfertigen Leibungen.

    Gilt für: Längen, Breiten, Höhen, Achs- und Rastermaße, Querschnittsmaße, Öffnungen für Fenster, Türen und Einbauelemente

  • DIN 18202, Tabelle 2

    Grenzwerte für Winkelabweichungen

    Begrenzen die Abweichung vom Nennwinkel. Angegeben wird sie als Stichmaß, bezogen auf ein Nennmaß. Maß- und Winkeltoleranz gelten nebeneinander: Das Ausnutzen der einen darf die andere nicht überschreiten.

    Gilt für: vertikale, horizontale und geneigte Flächen, auch Öffnungen

  • DIN 18202, Tabelle 3

    Grenzwerte für Ebenheitsabweichungen

    Begrenzen die Abweichung einer Fläche von der Ebene, als Stichmaß bezogen auf den Messpunktabstand. Die Norm unterscheidet nichtflächenfertige und flächenfertige Oberflächen sowie Normal- und erhöhte Anforderungen; erhöhte Anforderungen sind gesondert zu vereinbaren.

    Gilt für: Ober- und Unterseiten von Decken, Estriche, Bodenbeläge und Wände, unabhängig von ihrer Lage

  • DIN 18202, Tabelle 4

    Grenzwerte für Fluchtabweichungen bei Stützen

    Begrenzen, wie weit eine Zwischenstütze von der Verbindungslinie der Endstützen einer Stützenreihe abweicht. Bezugslänge sind zwei Achsabstände.

    Gilt für: Stützenreihen mit drei oder mehr Stützen

Fugen an Fügestellen. Wo Bauteile oder Gewerke aneinandergrenzen, werden ihre Toleranzen über die Breite der Fuge ausgeglichen. Soll ein Fugenbild gestalterisch genau festliegen, muss vor der Ausführung geregelt sein, in welchen angrenzenden Bauteilen die Toleranzen stattdessen aufgenommen werden.

FugeFugeWandWandEinbauelementgemeinsamer Bezug (Achse)Toleranzbereich
Abb. 3 Passung eines Einbauelements: Die Fuge nimmt die Toleranzen von Öffnung und Element auf.Darstellung: rheonda, schematisch

4Maßabweichungen prüfen

Ob Toleranzen eingehalten sind, entscheidet sich an der Messung. Wir planen und bewerten Prüfungen so, dass sie nachvollziehbar und belastbar sind: mit festgelegtem Bezug, normgerechten Messpunkten und angegebener Messunsicherheit.

  1. Bezug festlegen

    Vor der Ausführung Bezugspunkte und Bezugsart vereinbaren: Grenzbezug, Achsbezug, Mittellage oder Randlage. Planung, Ausführung und Prüfung nutzen denselben Messbezug.
  2. Messpunkte anlegen

    An Ecken und Kanten mit etwa 10 cm Randabstand, in Bauteil- oder Raummitte und auf Achsen und Achsschnittpunkten, je nach Prüfaufgabe.
  3. Messen

    Das Messverfahren wählt der Prüfer, etwa Richtlatte und Messkeil, Flächennivellement oder Tachymetrie. Verfahren und Messunsicherheit werden dokumentiert.
  4. Bewerten

    Form und Lage sowie Maß-, Winkel-, Ebenheits- und Fluchtabweichungen getrennt auswerten und nach dem Boxprinzip beurteilen.

Ebenheit prüfen. Bei der Einzelmessung liegt die Richtlatte auf zwei Hochpunkten der Fläche; gemessen wird das Stichmaß an der tiefsten Stelle, bezogen auf den Abstand der Hochpunkte. Der Grenzwert muss für jede Kombination zweier Hochpunkte eingehalten sein. Größere Flächen werden über ein eingemessenes Raster nivelliert und ausgewertet.

Zeitpunkt. Geprüft wird, wenn es erforderlich ist, und wegen späterer Verformungen so früh wie möglich, spätestens bei der Übernahme durch das Folgegewerk oder unmittelbar nach Fertigstellung.

StichmaßMesspunktabstandRichtlatteIst-FlächeHochpunktHochpunkt
Abb. 4 Ebenheitsprüfung mit Richtlatte: Stichmaß und zugehöriger Messpunktabstand.Darstellung: rheonda, schematisch

5Toleranzen planen

Die Toleranzen der Norm beschreiben die übliche Genauigkeit. Wo Funktion oder Gestaltung mehr verlangen, müssen Planende die Anforderungen festlegen, bevor gebaut wird. Wir unterstützen dabei, die richtigen Toleranzen zu wählen und zu begründen.

  1. Anforderungen klären

    Wo reichen die Toleranzen der Norm, wo sind erhöhte Anforderungen nötig, etwa bei Sichtflächen oder Bodenbelägen? Erhöhte Genauigkeit wird nach wirtschaftlichen Maßstäben vereinbart.
  2. Passungen berechnen

    Toleranzen angrenzender Bauteile, Verformungen aus Zeit, Last und Temperatur sowie funktionale Grenzen, etwa die zulässige Dehnung einer Fugendichtung, zusammenführen.
  3. Schnittstellen regeln

    Fugen als Ausgleich einplanen und festlegen, wo Toleranzen aufgenommen werden, besonders zwischen Rohbau, Fassade, Fenstern und Ausbau.
  4. Kontrolle vorsehen

    Bezugspunkte, Messpunkte und Prüfzeitpunkte rechtzeitig festlegen und in die Ausschreibung und den Prüfplan übernehmen.
Unser Angebot dazuQualitätsmanagementWir machen die geometrische Qualität eines Bauwerks messbar: Wir bewerten Toleranzen nach DIN 18202, prüfen Maßabweichungen am Bauwerk und unterstützen Planende dabei, Toleranzen und Passungen von Anfang an richtig festzulegen.